Vom Feiern.

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Ausgehen

Leben: Ausgehen, Party machen, Saufen, einen drauf machen: Spaß haben.

Der Spaß ist nicht einfach. Nicht für mich, nicht mehr, nicht dann, wenn ich Spaß haben muss oder auf Partys Spaß haben soll. Natürlich kann die Party Spaß machen, aber manchmal sind Partys für mich, als wäre ich gezwungen, eines meiner alten Lieblingslieder zu hören, pausenlos ‑ bis mir die Noten wie sanfte Skalpelle die Haut abziehen. Das war früher anders.
Es ging mir aber schon oft so, dass ich den Spaß der anderen nicht teilen konnte. Dann fühlte ich mich in der Menge allein und bestellte ein Bier. Woran liegt’s? Im Zweifel an mir.

Wobei mein Spaß nicht das interessanteste an Changshas Nachtleben ist, denn Changsha ist keine langweilige Stadt. Hier also mehr von meinem neuen Leben, meiner neuen Stadt und meinem alten Selbst.
Aber seht selbst, wenn ihr hinsehen wollt.

Einmal, in der ersten Unterrichtswoche, fragte mich eine Studentin, ob ich einmal mit ihnen ausgehen könnte. Da ich den Plural gehört hatte, sagte ich zu. Bald wurde es mir unheimlich, aber am selben Abend schon klingelte das Telefon und die Erwähnte wollte ihren Erwählten – mich (warum auch immer) – treffen. Ich traf sie am Fahrstuhl des Wohnheims. Sie war stark geschminkt, für chinesische Verhältnisse russisch geschminkt.
Ihr Plural bezog sich auf eine Freundin, die neben ihr aussah wie eine Anstandsdame. Die Erwähnte stellte sich als Anna-Sophie vor, die Anstandsdame wollte, dass ich ihr einen europäischen Name gebe.
Alle Chinesen nehmen sich auch europäische Namen, erklärte sie. Ich nannte sie einige Male Rosa und dann nie wieder, weil ich zu spät begann nachzudenken. Erst dachte ich, dass es nicht gerade für das Selbstbewusstsein Chinas spricht, wenn alle Chinesen einen europäischen Namen annehmen. Später erfuhr ich, dass sich die Chinesen die Namen nicht nehmen, sondern dass Westler sie ihnen geben, weil sie nicht in der Lage sind, die chinesischen Namen auszusprechen. Ich kenne in meinem Wohnheim einen US-Amerikaner, der besonders fleißig dabei ist, Namen zu vergeben. Besonders gern benennt er Frauen, und meist benennt er sie nach Pornostars.

Ich habe euch Namen gegeben, ihr seid mein, ich werde euch alle erkennen!

Ich habe aufgehört, Chinesen mit westlichen Namen zu nennen. Man stelle sich vor, China wächst weiter, irgendwann wächst es dem Westen über den Kopf. Dann kommen junge Chinesen nach Deutschland und sagen:
„Kalle? Das kann ich nicht aussprechen, ich werde dich Bái Hóu nennen, dass ist chinesisch und bedeutet weißer Affe, und deine Freundin nenne ich Jiaozhi Mugou, das heißt geiles Luder!“

Daran, wer wen benennt, daran, wer wen fickt, kann man eine Landschaft der Macht erkennen.
Es ist wie so oft, du ziehst an einem Faden und die ganze Welt schlägt dir ins Gesicht, all das gute und auch all der Scheiß, mitten in die Fresse rein. Zuerst fühlt man sich dreckig, aber beachten sollte man, was man bekommen hat, denn es ist unser Leben. Wenn du also glücklich bist, weil du im fremden Land der Macho bist, dann ist dieses Glück verlogen, denn du stehst stolz wie ein Gockel auf einem Misthaufen und krähst. Deine gute Aussicht verdankst du dem Berg aus Scheiße, auf dem du stehst.

Von aller Analyse abgesehen ‑ bin ich hier in China und möchte auch in China sein. Wenn ich alle und alles so nenne, wie ich es möchte, wenn ich alles bei europäischen Namen nenne und danach zu McDonalds gehe, dann hätte ich gleich zu Hause bleiben können oder ich wäre nie nach China gekommen.
Aber nun zurück zu Anna und Rosa, die ich nicht mehr so nenne. Wir gingen zwar nicht zu McDonalds, aber sie brachten mich in eine westliche Bar, in ein Helen’s. Das ist eine Kette von Bars in China, die sich auf Backpacker und internationale Studenten spezialisiert hat. Die Einrichtung ist Holz, das Bier ist billig, es gibt Burger und Pizza. Jede chinesische Universitätsstadt hat ein Helen’s, Changsha hat zwei. Hier können sich Europäer und USanier zu Hause fühlen und sich darüber beschweren, dass es in China zu wenig Bars gibt.
Zumindest wurde ich von Chinesen hierher gebracht. Nun gut, meine beiden Studentinnen sind nicht allein. Alle Kellner sind auch chinesisch. Westliche Männer, chinesische Frauen, chinesische Angestellte: Landschaften der Macht.
In diesem Helen’s gibt es meist mehr Angestellte als Gäste. Viele Angestellte gibt es überall in China. Der eine Deutsche wundert sich oft darüber, dass es so viele sind. „Das kann sich doch nicht rechnen“, sagt er. Nun, wenn es eines in China gibt, dann Chinesen, viele davon.
Die Chinesinnen, die mich hierher brachten, sitzen mir gegenüber, benehmen sich und sehen aus wie Kinder.
Wir unterhalten uns.
„Das ist erst das zweite Mal, dass ich in einer Bar bin“
„Aha“
„Ich trinke sonst nie Alkohol“
„Ach so“
„Ich bin ein gutes Mädchen.“
„…?“
„Darf ich Sie Kalle nennen?“
„Hier schon, im Unterricht Herr Buchholz.“
„Dann möchte ich, dass du mich im Unterricht Frau Anna nennst.“

Touché

Sie haben sich Cocktails bestellt, zwei Kinder trinken Cocktails und ein Lehrer schaut zu. Ich komme in arge Rollenkonflikte. Da Happy Hour ist, im Helen’s ist immer Happy Hour, haben sie jeder gleich zwei Cocktails bekommen. Sie erklären mir, dass sie sonst nicht trinken, probieren, verziehen das Gesicht und trinken weiter. Zwischen den Schlücken und manchen Fragen an mich beschweren sie sich über den Alkohol in ihren Getränken. Nach einer Stunde schläft ein gutes Mädchen ein. Als ich schon zu hoffen beginne, dass ich den Abend unfallfrei beenden kann, höre ich einen Schrei.
„Eeeeyyyy Leehhreeerr“.
Ein junger Mann stürmt auf mich zu. Meine Begleiterin sagt ihm, dass er verschwinden soll, er schlägt mir auf den Arsch.
„Leehhreer, Ich dachte, du seeeisst eiiin guuter Maaann.“
Er ist betrunken und kommt mir bekannt vor, vielleicht kommen mir aber auch bloß alle Betrunkenen bekannt vor.
„Duuu biiist meiiin Lehhhreeer uuunnnd geeehhhhst miit deeeiiineen Schüüüleern auus!“
„Patsch, patsch, patsch“, schlägt er mir auf den Arsch.
Nun, so gesehen habe ich es verdient, dass er mir den Arsch versohlt, aber seine Eifersucht ist unbegründet. Frauen müssen nicht mein fortgeschrittenes Alter erreicht haben, damit ich sie küssen will, diese beiden wecken aber eher den Wunsch in mir, ihnen ein Glas heißer Milch mit Honig zu geben und eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen. Der junge betrunkene Mann nennt sich übrigens Obstgarten, er hat seinen chinesischen Namen ins Deutsche übersetzt. Er sieht gut aus, wirkt verspannt und ist im Wohnheim und in der Klasse Mobbing-Opfer Nummer 1. Immer wenn den anderen langweilig ist, ärgern sie ihn, dafür teilt er auch ausgiebig aus.
Heute hat er mir einen Gefallen getan, denn nach seinem Auftritt ist meinen Kindern die Lust an der wilden Seite vergangen: Sie wollen heim.

Später war ich mit dem Einen und dem Anderen und anderen Wohnheimbewohner noch öfters im Helen’s, bis es dann schloss. Die Stadt ist wohl doch zu klein für zwei Helen’s.

Natürlich hat mich das nicht vom Ausgehen abgehalten. Dabei zeigten sich einige Konstanten: Freie Getränke – gute / böse Mädchen – Sie sind überall.
Besonders oft ging ich mit den beiden Deutschen aus meinem Wohnheim aus. Ich werde sie nicht weiterhin den Einen und den Anderen nennen, das ist mir zu blöd, da ich aber fairerweise ihre Namen nicht nennen will, nenne ich den Einen Max Hardcore – weil er ein Softie ist – und den Anderen Barrett Long – weil er ständig von seinem Schwanz spricht. Google sagt, das sind Pornostars: Gerechtigkeit muss irgendwo beginnen.
Wir waren in einer Bar, der Hawaii Bar.
Zuerst wartete ich mit Max Hardcore auf Barrett Long, der mit seinem chinesischen Date kam.
„Die kommt mir bekannt vor“, dachte ich.
Sie sagte: „Hallo Herr Buchholz“.
„Ach so.“
Auch wenn es sich merkwürdig anfühlt „Herr Buchholz“ genannt zu werden, ist es doch sehr praktisch, denn so erkenne ich meine Schüler, sobald sie mich ansprechen.
In der Hawaii Bar fragte der Kellner mich, was ich trinken will, ich bestellte ein Bier. Er ging fort, ohne Max Hardcore oder Barrett Long auch nur eines Blickes zu würdigen, was ihnen nicht gefiel.
Dann brachte er Bier: ungefähr 20 Flaschen. Meine Bestellung galt für alle. Meine natürliche Autorität!
Meine Autorität ist mein Alter. In China zählt Erfahrung noch, hier hat das Alter noch Autorität. Neben Max und Barret sehe ich so alt aus, dass die Chinesen denken, sie müssten sich nach mir richten. Es war ein intelligenter Zug von mir, mit 38 in ein Land zu gehen, in dem Alter noch Autorität heißt. Schach und Matt.

Ungewöhnlich war, dass wir selbst zahlen mussten, sonst wird man in Changsha oft eingeladen. Nicht ungewöhnlich ist dagegen, dass alte Säcke wie ich von jungen Frauen, wie der in den folgenden Zeilen, Telefonnummern angeboten bekommen. Das verkürzte Gespräch dazu liest sich ungefähr so:

Frau: „Hi du bist sehr groß/schön.
Ich: „(…)“*
„Ich bin ein gutes Mädchen“
„(…!)“
„Sollen wir uns mal treffen / kann ich deine Telefonnummer haben?“
„(…)“

* ich habe festgestellt, dass es eigentlich egal ist, was ich sage.

Das Problem ist, dass man viele Telefonnummern bekommt und nach kurzer Zeit nicht mehr weiß, welche Nummer zu wem gehört. Das liegt vor allem an den chinesischen Namen, die sich für mich nicht nur chinesisch sondern auch transsexuell anhören. Anhand des Namens kann ich nicht entscheiden, ob’s ein Mann oder eine Frau ist.
Also schreibe ich dann immer dazu, wer’s war, z. B.:

Li Ran
Telefonnummer: xxxx xxxxx xxxxx
Süß, klein, Brille, Informatikstudentin – gutes Mädchen

Dass sie gut seien, gute Mädchen seien, das erzählen – nach Max Hardcore und Barrett Long – hier alle Frauen. Wir fragten uns warum. Meine schnelle These war, dass dies Werbung sei. Gutes Mädchen heißt soviel wie moralisch integer: Trinkt keinen Alkohol, solide, Jungfrau, kann man heiraten: Werbung. Das erzählen die Frauen hier, so wie deutsche Männer einem ungefragt erzählen, wie oft sie schon Sex hatten: Werbung.

Natürlich war ich auch manchmal in Clubs. Besonders Max Hardcore geht gern in Clubs. Im September brachte er mich in meinen ersten chinesischen Club und erklärte mir auch, wie diese funktionieren.
Er ging zielstrebig auf noch lauteren Lärm als üblich zu. Der Lärm war der Club. Ich floh nach wenigen Sekunden wieder. Das erste, was mir auffiel, war: Es ist so laut, dass einem die Gedanken verklumpen. Ein Gefängnis aus Lautstärke. Das zweite: Es gibt kaum eine Tanzfläche. Es ist so laut, dass man nicht mal denken kann, aber es gibt keine Tanzfläche. Überall Tische. Alle Tische voll besetzt. Kein Platz zum Tanzen, zu laut zum Sprechen.
Nach meiner Flucht fing Max mich schnell wieder ein. Er wollte zurück.
„Die Chinesen sind schüchtern, sie wollen sich nicht unterhalten“, erklärte er. „In den Clubs, schaut man sich an, gibt sich nur Getränke aus und wenn die Frau mit dir tanzt, kannst du sie mit nach Hause nehmen.“
„Aha.“
Wir gingen zurück, es war immer noch laut. Schnell war der Besitzer des Clubs bei uns, er trug einen Irokesen. Was er sagte, konnte ich nicht verstehen, ich weiß nur noch, dass er manchmal laut Changsha brüllte. Er gab uns eine Karaffe mit Eistee und Whiskey. Zahlen mussten wir nichts.
Max Hardcore bugsierte mich zu einer Tischrunde von Chinesen. Da wir die einzigen Ausländer im Club waren, wurden wir begeistert begrüßt. Sie gaben uns mehr Whiskey-Eistee und eingelegte Hühnerfüße inklusive Fußnägel. Die Füße waren lecker, der Whiskey schmeckte nach Füßen.
Bald schon fand ich mich von 18jährigen Chinesinnen umzingelt, die alle mit mir trinken wollten. Alle wollten sie Whiskey-Eistee mit mir trinken, immer musste ich auf Ex trinken. Dass man als 38jähriger so vehement von jungen Frauen gejagt wird, ist ganz nett, nur kamen sie alle mit dem verdammten Whiskey-Eistee.
Wenn ich mal nach draußen ging, wo man reden konnte, führte ich sehr interessante Gespräche.
„Hi du bist sehr groß/schön.
„(…)“*
„Ich bin ein gutes Mädchen“
„(…)“
„Sollen wir uns mal treffen/kann ich deine Telefonnummer haben?“
„(…)“

Wang Fei
Telefonnummer: xxxx xxxxx xxxxx
aufdringlich

Wenn ich zurück in den Club ging, war ich sofort wieder umzingelt. Ich hatte auch nicht mehr das Gefühl, Getränke zu bekommen, sondern fühlte mich eher wie eine Pflanze, die gegossen wird, ein mit Whiskey begossener Pudel, die Hose klebte mir an den Beinen. Ich weiß noch, dass ich zwischenzeitlich neben die Tanzfläche kotzte und später ein paar keusche Küsse austauschte. Mittlerweile hatte zwar das Kleinhirn das Steuer übernommen, aber ich ging trotzdem allein nach Hause. Ich muss zugeben, der Abend hatte auf eine seltsame Art Spaß gemacht. Ob ich das wiederholen muss, weiß ich nicht. Ich fühlte mich gut, aber wie ein Sextourist. Manchmal wünschte ich, ich könnte meine Moral ausschalten, wenigstens zeitweise.
Zwei Tage später war ich im nächsten Club. Es war sofort etwas langweiliger, obwohl eigentlich wieder alles da war: Whiskey-Eistee, Mädchen. Die Bühnenshow war bunt und sah sehr queer aus. Besonders freute mich, dass hinter den burlesken Animationstänzern abwechselnd eine chinesische Fahne oder Bilder vom Langen Marsch projiziert wurden: Maos Erben sind angekommen, wo auch immer sie sind.
Ich lernte ein Mädchen kennen, die behauptete nicht gut, sondern böse zu sein und zum Beweis mit mir Händchen hielt.

Natürlich führte ich auch Gespräche mit guten Mädchen:
„Hi du bist sehr groß/schön.
„(…)“*
„Ich bin ein gutes Mädchen“
„(???)“
„Sollen wir uns mal treffen/kann ich deine Telefonnummer haben?“
„(…)“

Wu Lu
Telefonnummer: xxxx xxxxx xxxxx
männlich

Ein anderes Mal hatten meine Wohnheimbewohner einen Club angemietet, die Party dort war eigentlich wie im Wohnheim (→ Tischtennisbälle).
Es ist erstaunlich wie betrunken man von Tischtennisbällen werden kann. Als mein Kleinhirn die Kontrolle übernahm, nahm es mir vor, mit dem nächsten guten Mädchen nach Hause zu gehen. Und da kam auch schon eine …
„Hallo Herr Buchholz“
„Verdammt“
„Ich bin ein gutes Mädchen“
„(…)“

Ich brauchte nur Sekunden, um meine Absichten und meinen Gesichtsausdruck neu zu programmieren und mein Kleinhirn auf den Rücksitz zu verbannen.

Lo Bo
Telefonnummer: xxxx xxxxx xxxxx
Schülerin!

Der Rest des Abends versinkt etwas im Nebel, ich weiß aber noch, dass ich mit Barrett Long in einer Karaoke Bar endete – hier KTV – und dass wir gemeinsam versuchten, mit Eminems Lyrikschwall mitzuhalten. Es ist uns misslungen. Kapitän Blaubär würde sagen, wer geschafft hätte, mir zuzuhören, der hätte die Chance gehabt, alles übers Scheitern zu lernen, was man wissen muss.

Das klingt alles sehr lustig, letztendlich strengten mich die Partys aber an und damit meine ich nicht nur den Morgen danach.
Ich war selten entspannt dabei, was zur Folge hatte, dass ich oft eher am Rand stand.
Seinen Höhepunkt erreichte dies leider für mich auf Barretts Longs Geburtstagsparty. Wir waren in einer Bar, wie man sie wahrscheinlich in jeder Stadt Asiens mindestens einmal finden kann. Geleitet wird sie von zwei Westlern die in die Stadt eingeheiratet haben und nun Alkohol und Sandwiches an europäische und amerikanische Gastarbeiter verkaufen. Die Bar ist für Changshas Verhältnisse gut, d.h. es ist drinnen leiser als draußen, so dass man nicht nur sein eigenes Wort, sondern auch das seines Gesprächspartners hören kann. An diesem Abend aber wollte ich eigentlich nicht ausgehen, da ich am nächsten Morgen viel Arbeit hatte und früh aufstehen musste.
Alle hatten Spaß: tanzten, lachten und machten eine Geburtstagstortenschlacht. Ich stand am Rande, schnipste mir etwas Zuckerguss vom Hemd und fühlte mich furchtbar fehl in der Bar. Ich fühlte mich wie auf meiner eigenen Beerdigung: Ich sollte nicht hier sein und fiel am meisten durch meine Abwesenheit auf. Für jemanden wie mich, der in seiner Schulzeit ein Außenseiter war, ist das ein besonders schlimmes Gefühl, es ist wie der Rückfall in härteste Zeiten. Als alle richtig betrunken waren, entschuldigte ich mich und ging. Als ich aus der Bar trat, stolperte ich, fiel so hart, dass meine Hose riss und mein Knie aufplatzte. Ich humpelte nach Hause und stürzte ein paar Meter vor der Wohnheim-Tür noch einmal – wieder aufs selbe Knie. Der nächste Tag war die Hölle: Ich hatte einen großen Kater und humpelte bei jedem Schritt auf drei verschiedene Weisen (Kaputtes Knie, Fuß verknackst und Muskelkater).
Das war vor 1½ Wochen. Letztes Wochenende war ich wieder feiern und heute kann ich wieder gerade laufen.
Letzte Woche war ich noch einmal mit Barrett Long aus, wir waren in einer Bar, einem Club, einem KTV und sind zum Morgengrauen mit einem Schotten und zwei Russinnen auf einen Berg gestiegen. Zum Ende standen wir auf dem Gipfel, sahen uns an und fragten uns: wie hat es soweit kommen können? Denn das fragen sich alle, die die Nacht durchgemacht haben. Dann hechelten wir bergab den Russinnen hinterher.
Es hat viel Spaß gemacht. Am Beginn des Abends hatte ich nämlich verstanden, warum ich mich so oft unwohl gefühlt hatte. Es lag weder an den Anderen, noch an der Stadt, sondern wirklich an mir. Meine Erfahrung damit, neu zu sein und in der Fremde zu leben, hat zwar vieles überspielt, trotzdem aber machten mich die Anforderungen meiner Arbeit und meines Neuanfanges zu Beginn nervös, so dass ich mich nicht entspannen und es nicht genießen konnte, nichts zu machen, zu feiern.
Nun, da ich weiß, dass es hier gut läuft, bin ich entspannt genug, ab und zu die Nacht zu genießen, oft werde ich es trotzdem nicht tun, denn nichts ist öder als eine routinierte Party.

3 thoughts on “Vom Feiern.

  1. Hallo Kalle,
    Deine blogs lese ich gern. Bald ist doch das Neujahrsfest, vielleicht gibt’s auch einen Anlass zum Blog.

    Frohe Weihnachten, Du Westler

    Hermann

    • Ich habe noch einige Anlässe in Reserve, nur leider fehlte es mir etwas an Zeit.. Aber ich werde sicher bald weiter schreiben.

  2. Hey Kalle. Es schaut sehr lustig an. Du schreibst doch nicht so gerne. Ich hoffe du kannst mehr und oefters schreiben.
    Alles Gute,
    Lena

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